// MOJO INC
Im ersten Stock vom alten Bäckerhaus in St. Georgen an der Gusen riecht es schon lange nicht mehr nach frischem Brot. Die alten Teppiche haben mittlerweile den Geruch der herunterfallenden Asche angenommen. Flaschen und zerdrückte Dosen sind auf den Verstärkern angeordnet, als wollte jemand den Proberaum damit festlich dekorieren. Und wieder fällt Asche auf den Boden. Ein leises „Tschuldigung“ hallt durch den Raum (Apologise). Er hat sich schon wieder entschuldigt. Wie er es so oft macht. Zu oft.Sie haben sich da oben eingesperrt, um Musik zu machen – weil genau so die schönsten Lieder entstehen. Aus echten Stories, die man eigentlich gar nicht erzählen möchte. Zumindest nicht auf der Bühne. Zum Beispiel wenn einem die Ex einen 21-seitigen Liebesbrief schreibt — und man zu faul ist, um ihn überhaupt zu lesen (21 Pages). Es wirdauch mal mit falschen Freunden abgerechnet, über Egoisten abgelästert (Egomaniac), die wahre Liebe unter Clownfischen besprochen (Clownfish) und die eine oder andere alte Beziehungsgeschichte unter dem Teppich hervor gekehrt (Drop the Ball).Songs wie Looked up oder Hell of a Ride vermitteln dann aber das Gefühl, das die Band wirklich ausmacht: Spaß haben und das Leben nicht zu ernst nehmen! So verwandeln Mojo Incorporation – zum ersten Mal in Eigenregie – mehrere Tage abgeschottet von der Außenwelt, ihre privatesten Erlebnisse auf ihrem mittlerweile dritten Album in 13 neue Songs. Mal ernst, mal mit Augenzwinkern, aber immer mit einer ordentlichen Portion Soul.
// THE ZEW
Ein Fuß drin, einer draußen, „One Foot In, One Foot Out“, so dekodiert sich „1FI1FO“, der Titel von Leonie Schlager alias The Zew’s letztjährigem Debüt-Album – einerseits ein passendes Gleichnis für die „Zustände der Liminalität“, mit denen sich ihr Songwriting beschäftigt, andererseits eine treffende Beschreibung ihres gleichermaßen intim selbstgemachten wie ätherisch außerweltlichen Sounds. Oft klingt Schlagers konsequent unaufgeregte Stimme so, als sänge sie im Zimmer nebenan, von der berührbaren Welt distanziert durch Echo, Hall oder verfremdeten Pitch, ihre zumeist gezupfte E-Gitarre einmal geloopt dann wieder nicht, mit einem heimeligen Hang zum warmen, leicht angedumpften Drone. „Cyborg Folk“ nennt The Zew diesen Sound, der in seinem melodiösen Minimalismus manchmal ein wenig an Bridget St. John, Vashti Bunyan, Connie Converse oder Nico zu Zeiten von „Chelsea Girl“ erinnert. Songs wie „This is“, „Itchy Feet“ „The Collector“ oder „Come on Down“ landen im unvorbereiteten Ohr mit der Selbstverständlichkeit des Immerschondagewesenseins, der Aura lange verschollen gewesener Schätze. Dabei ist The Zew unter uns, und wir können sie tatsächlich beim Popfest spielen sehen, mit allen sechs Augen in ihrem Gesicht (vier davon malt sie sich auf die Wangen, als Symbole des „female gaze“). „Here is that sound again, tipping me over.
